Die Fürsorgepflicht gebietet es: Der 57. Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in Freiburg/Br. wird abgesagt

Mit der steigenden Zahl von Schließungen öffentlicher Gebäude wurden inzwischen 17 von 19 Landeswettbewerben "Jugend musiziert" abgesagt. Traditionell finden die Wettbewerbe in den 16 Bundesländern und den drei Zentren des Wettbewerbsverbundes der Deutschen Schulen im Ausland im März jedes Jahres statt. Eine hervorragende Bewertung im Landeswettbewerb ist jedoch die Voraussetzung für die Teilnahme am Bundeswettbewerb "Jugend musiziert". Die für die Planung des Bundeswettbewerbs "Jugend musiziert" Verantwortlichen zogen nun am Wochenende die Konsequenzen – auch, um den derzeit angemessenen Beitrag zur Verlangsamung der Ausbreitung des Virus' zu leisten: Der Bundeswettbewerb "Jugend musiziert", geplant von 28. Mai bis 4. Juni, in Freiburg/Br., findet nicht statt.

Seit letzter Woche entwickelten sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie mit außergewöhnlicher Dynamik und erforderten von der Bundesgeschäftsstelle "Jugend musiziert" eine permanente und flexible Neubewertung der Situation, in engem Austausch mit allen bei "Jugend musiziert" in der Verantwortung stehenden Personen auf Landes- und Bundesebene, im Projektbeirat, dem Deutschen Musikrat und im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und allen diesjährigen Partnern.

Vor dem Hintergrund, das exponentiell steigende Ansteckungsrisiko zu verringern, waren in den vergangenen Tagen auf Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums und des Robert-Koch-Instituts immer mehr Austragungsstädten der Landeswettbewerbe geschlossen worden. Damit steht "Jugend musiziert" 2020 als bundesweite Plattform des Vergleichs und der Begegnung musizierender Jugendlicher miteinander in Frage. Denn der Wettbewerb ist ein Angebot an Kinder und Jugendliche, sich als Sänger*in oder Instrumentalist*in, im Ensemble oder solistisch, vor einer Jury und vor Publikum zu präsentieren. Dazu lädt der Deutsche Musikrat, zu dem "Jugend musiziert" gehört, in jedem Jahr Tausende von Kindern und Jugendlichen zur Teilnahme an den Regionalwettbewerben ein. Rund 21.000 Nachwuchsmusiker*innen waren in diesem Jahr auf Regionalebene der Einladung gefolgt.

Die Gastgeberstadt Freiburg im Breisgau hatte den Bundeswettbewerb vor dem Hintergrund des 900. Stadtjubiläums eingeladen und dafür 200.000 Euro zur Verfügung gestellt, das Land Baden-Württemberg hatte die finanziellen Mittel um den gleichen Betrag ergänzt. Bereits bestehende Absprachen und Verträge mit rund 30 Institutionen wie Schulen, Theater, der Musikhochschule und dem Konzerthaus müssen nun gelöst werden. Dazu Bürgermeister Ulrich von Kirchbach: „Auch wenn die Absage des Bundeswettbewerbs vor dem Hintergrund der grassierenden Corona-Infektionswelle die einzig vernünftige Maßnahme ist, bedauern wir diesen Schritt zutiefst. Denn die Musik so vieler ausgezeichneter junger Leute hätte dem Kulturleben der Stadt Freiburg zusätzlichen Glanz verliehen. Gleichzeitig hätte sich Freiburg seinen Gästen als Kulturmetropole empfohlen. Die Stadt hält ihre Gastgeberrolle als Austragungsort für den Bundeswettbewerb jedoch weiterhin aufrecht: Wir werden in enger Abstimmung mit dem Deutschen Musikrat einen neuen Termin suchen und finden.“

"Jugend musiziert" wird auf allen drei Ebenen in enger Kooperation mit kommunalen Einrichtungen veranstaltet. Der Wettbewerb lebt vom öffentlichen Charakter seiner Wertungsspiele und Konzerte. Wird, wie aktuell, die Schließung von Gebäuden angeordnet und die Begegnung miteinander unterbunden, ist den Veranstaltern die Durchführung des Wettbewerbs nicht möglich. Dazu Prof. Ulrich Rademacher, der Vorsitzende von "Jugend musiziert": „Die Fürsorgepflicht den "Jugend musiziert"-Gästen gegenüber gebietet es, den Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" 2020 abzusagen. Als europaweit strahlendes Leuchtturm-Projekt steht "Jugend musiziert" in besonderer Verantwortung seinen Teilnehmer*innen und Förderern gegenüber. Alle für die inhaltliche Planung und Durchführung Verantwortliche können nachfühlen, wie groß die Enttäuschung der jungen herausragenden Musikerinnen und Musiker ist, denen nun die Präsentation ihres musikalischen Könnens im bundesweiten Vergleich miteinander verwehrt ist. Aber der jährliche Bundeswettbewerb ist weit mehr als ein Leistungsvergleich der Bundesspitze vor einer hochkarätigen Fachjury, die über Preise und weitere Fördermaßnahmen entscheidet. Er ist vor allem ein Musikfest, das von persönlicher Begegnung der Teilnehmenden untereinander, mit Eltern, Lehrenden, Jurymitgliedern, Publikum und schließlich mit den Menschen sowie der speziellen Atmosphäre der gastgebenden Stadt lebt. Ein solcher Wettbewerb ist in der Corona-Krise nicht möglich. Dazu kommt, dass mit der Absage der meisten Landeswettbewerbe der Vergleich fehlt,  der jeder Teilnahme am Bundeswettbewerb vorausgehen muss. Es gilt dieser außergewöhnlichen Situation gerecht zu werden; auch wenn die Absage des 57. Bundeswettbewerbs schweren Herzens erfolgt.“

Zurück