Musikalische Entwicklung fördern, verlässlich bleiben

Der traditionsreiche Wettbewerb "Jugend musiziert" war im Januar und Februar 2020 in die 57. Runde gestartet. An den rund 170 Regionalwettbewerben hatten sich beinahe 20.000 Kinder und Jugendliche beteiligt. Rund 7.000 erfolgreiche Musiker*innen hatten einen 1.Preis mit Weiterleitung zu den Landeswettbewerben erhalten. Mitten in die Vorbereitung der 19 Landeswettbewerbe – in 16 Bundesländern und an drei Zentren des Wettbewerbsverbundes der Deutschen Schulen im Ausland erreichten die Verantwortlichen Meldungen über die Ausbreitung des Covid-19-Virus.

Aufgrund massiver Schließungen öffentlicher Gebäude und aus Fürsorgepflicht allen Teilnehmer*innen und Gästen gegenüber mussten alle ab Mitte März geplanten Landeswettbewerbe "Jugend musiziert" abgesagt werden. Damit konnte auch der Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" 2020 als bundesweite Plattform der künstlerischen Standortbestimmung und der musikalischen Begegnung musizierender Jugendlicher miteinander nicht stattfinden. Denn mit der Absage der Landeswettbewerbe fehlt der Vergleich, der jeder Teilnahme am Bundeswettbewerb vorausgehen muss.

Mit den Nachfragen, wie es mit „Jugend musiziert“ in diesem Jahr weitergeht und was die Covid-19-bedingten Absagen für den Wettbewerbs-Turnus bedeuten, befassten sich der Beirat von "Jugend musiziert", die Projektleitung und die Geschäftsführung des Deutschen Musikrats intensiv in den vergangenen zwei Wochen. Hier die wichtigsten Antworten:

Warum kann der Bundeswettbewerb nicht später im Jahr stattfinden? - Eine Verschiebung ist leider nicht möglich. Zum einen kann zum aktuellen Zeitpunkt keine Einschätzung gegeben werden, wie sich die Corona-Epidemie entwickelt. Und auch bei einer Verschiebung fehlte die notwendige Qualifikation der Teilnehmenden durch einen Landeswettbewerb. Zudem fiele ein nachgeholter Bundeswettbewerb in der zweiten Jahreshälfte sowohl organisatorisch als auch künstlerisch-pädagogisch in die dringend benötigte Vorbereitungszeit für die Wettbewerbsrunde 2021.

Könnte man die Kategorien 2020 zusätzlich zu denen von 2021 anbieten? - Da für die Landeswettbewerbe und den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ auch im kommenden Jahr definierte terminliche, organisatorische und finanzielle Rahmenbedingungen gelten, ist es unmöglich, die Kategorien im kommenden Jahr zusätzlich anzubieten. Zudem wäre es pädagogisch und organisatorisch problematisch, Weiterleitungen von Regionalwettbewerben des Vorjahres als Zugang zu Landeswettbewerben gelten zu lassen, da dies Änderungen in Altersgruppen und Programmen nach sich ziehen würde.

Könnte man den Wettbewerbsturnus um ein Jahr verschieben und die Kategorien 2020 im Jahr 2021 erneut anbieten? - Auch hier kamen die Beteiligten zu einem Ergebnis: „Jugend musiziert“ regt zur Weiterentwicklung der musikalisch-künstlerischen Fähigkeiten an. Die intensive Beschäftigung insbesondere mit Kammermusik fördert neben den genannten positiven Effekten für das eigene Musizieren auch für jeden Musiker wichtige Tugenden wie Aufeinander-Hören, selbständiges Üben, Teamfähigkeit, Empathie oder Frustrationstoleranz. Auch vor diesem Hintergrund war der 3-Jahres-Turnus 1996 etabliert worden, denn so können junge Musiker*innen jedes Jahr in unterschiedlichen Besetzungen mit ihrem Instrument teilnehmen. Die Wiederholung der Wettbewerbskategorien im kommenden Jahr zwänge Teilnehmer*innen möglicherweise, sich ein weiteres Jahr mit ihrem Programm zu befassen, nach Einschätzung des Beirates ein unerwünschter Blockadeeffekt der persönlichen und künstlerischen Entwicklung. Nicht zuletzt sind es technisch-organisatorische Fragen, die gegen eine Verschiebung sprechen: Dazu gehören die Neuordnung der Altersgruppen in den Ensemble-Kategorien oder das Auseinanderfallen von Ensembles durch Abitur oder die Altersbegrenzung bei "Jugend musiziert".

Was spricht für die Beibehaltung des 3-Jahres-Turnus der angebotenen Kategorien? – Unter anderem die Tatsache, dass sich viele Jugendliche mit ihren Lehrkräften bereits auf die für 2021 ausgeschriebenen Kategorien vorbereiten. Faktisch hat der Wettbewerbszyklus 2021 längst begonnen, das zeigen zahlreiche Anrufe zu Fragen der Literaturauswahl und den Teilnahmebedingungen in der Bundesgeschäftsstelle. Zudem stehen die gastgebenden Städte und Bundesländer der kommenden Bundeswettbewerbe „Jugend musiziert“, die anhand der angebotenen Kategorien in den Jahren und der entsprechend erforderlichen organisatorischen und logistischen Voraussetzungen ausgewählt wurden, bereits fest. Eine Verschiebung des 3-Jahres-Turnus um ein Jahr ist angesichts dieser langfristigen Wettbewerbsplanung für die kommenden Jahre nicht möglich.

Die 170 Regionalwettbewerbe „Jugend musiziert“ haben mit rund 20.000 Teilnehmenden Anfang des Jahres stattgefunden - es gab also die Möglichkeit der musikalischen Begegnung. Auch wenn bedingt durch Covid-19 die Begegnungen auf Landes- und Bundesebene ausfallen mussten, hat mit der mehrmonatigen Vorbereitung der Teilnehmenden auf den Wettbewerb, den regionalen Wertungsspielen, Beratungsgesprächen und Preisträgerkonzerten wesentliche Elemente des Wettbewerbszyklus 2020 stattgefunden. Bei "Jugend musiziert" geht es ja nicht allein um das Fortkommen in einem Wettbewerb unter Konkurrenten bis an die Bundesspitze.

"Jugend musiziert" ist ein wichtiger, etablierter, langjähriger Teil des bundesweiten Musiklebens. Alle Verantwortlichen auf Regional-, Landes- und Bundesebene werden kreative Ideen entwickeln, damit "Jugend musiziert" öffentlich sichtbar bleibt. Denn Musik, das wird in abertausenden Beiträgen deutlich, die über das Internet ihre Adressat*innen erreichen, verbindet Menschen und spendet Zuversicht.

In diesem Sinne prüfen die Organisatoren des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“ derzeit, ob es möglich ist, WESPE im September zu realisieren.

Zurück